Lebensrede vom 10.03.2023
Caroline Hüttl
Auf einmal ist alles anders.
Heute ist alles anders, morgen wird alles anders sein und vermutlich anders bleiben! Das „normale“ Leben war gestern, besser gesagt endete am 18.02. dieses Jahres. Am 18.02. ist Joachim, ist Joachim Bernhard Fröstl gestorben.
Joachim ist nur 36 Jahre alt geworden – und allein diese Tatsache macht sprachlos, versetzt jeden in einen Schockzustand. Die Welt steht still. Ich möchte heute trotzdem versuchen, die richtigen Worte zu finden, Ihrer Trauer, Ihrem Schock – liebe Eltern, liebe Geschwister, liebe Franziska – eine Stimme zu geben; auch für die Verwandten, die Freunde und Freundinnen, Kolleginnen und Kollegen.
Eine Trauerfeier wie diese ist nicht nur traurig, sie ist zudem tragisch, denn Joachim hat sein Leben durch einen furchtbaren Unfall verloren. Die berühmte Sekunde, in der man am falschen Ort ist. Und jetzt beginnt ein Feuerwerk der „Warum-Fragen“: warum ist ihm das unverschuldet passiert, ihm, der immer so vorsichtig, so umsichtig war? Warum auf den letzten Kilometern der mehrtätigen Motorrad-Tour von Franzi und Joachim durch Nordvietnam? Warum wurde er waghalsig überholt? Warum konnte er im Krankenhaus nicht mehr gerettet werden...? Warum, warum, warum?
Wir und ich werden hier und heute keine Antworten finden. Und sollte es morgen – ich meine das Morgen in weiter Ferne – wieder so etwas wie ein normales Leben geben, dann wird dieses „Warum“ bleiben. Das Warum bleibt immer, wenn so ein junger Mensch aus dem Leben gerissen wird. Lassen Sie uns in diesen Minuten versuchen den Schock zu verdrängen und an Joachim zu denken, wie er war, mit dem, was uns mit ihm verbindet.
Lieber Joachim,
wir haben uns nicht gekannt, aber ich durfte Dich kennenlernen in den Erzählungen Deiner Familie und in den Erzählungen von Franzi – der Frau an Deiner Seite und durch die Erzählungen Deiner Freunde. Eigentlich haben sie mir nicht von Dir erzählt – sie haben geschwärmt von Dir. „Er war einfach wunderbar!“ ist so ein Zitat!
Hier ist das Land der Lebenden und irgendwo ist das Land der Toten, dazwischen liegt Liebe, Leid, Freundschaft, Freude, Zweifeln, sich wundern, Ärger, Lachen, Weinen – dazwischen ist das Leben!! Sie haben dieses Land mit Joachim Fröstl erlebt. Manche von Ihnen sind mit ihm nur einige Schritte gegangen, andere fast den gesamten Lebensweg, so wie seine Eltern, seine Geschwister, einige seiner Freunde; seine Partnerin Franziska ist mit Joachim in den letzten Jahren einen ganz innigen Weg gegangen. Egal welchen Teil des Weges, wann und wo und über welche Distanz – auch auf dem heutigen Weg ist Joachim nicht alleine und ich möchte Sie alle ganz, ganz herzlich begrüßen und Danke sagen für Ihr Kommen.
Über die Zeit im „Land der Lebenden“, gemeinsam mit Joachim, haben wir viele Erinnerungen und könnten so viel erzählen. Gerade in den letzten Tagen sind viele dieser Erinnerungen wieder wach geworden.
Mit dem Tod eines geliebten Menschen verliert man vieles, niemals aber die gemeinsam verbrachte Zeit. Wir können hier und heute nur voller Dankbarkeit und Liebe sein. Voller Liebe für einen ganz wunderbaren Menschen, liebevollen Partner, gerngesehenen Freund und geliebten Sohn und Bruder. Und voller Dankbarkeit dafür, dass wir ein Stück Lebensweg mit ihm gehen konnten. Heute soll es vor allem um Joachims Leben gehen und um Euer, um Ihr Leben mit Ihm.
Joachim Bernhard Fröstl besser bekannt als Joachim, Jogga, Jocks, Jorgus oder Jocki wurde am 5. Januar 1987 in München-Pasing geboren.
Er war so ein toller Sohn, als Kind schon sehr anhänglich, suchte immer die Nähe, wollte nicht gerne alleine sein. Manchmal war er als Kind auch verträumt und in sich gekehrt. Angela und Günther haben so liebevoll von Joachim erzählt.
Als Kind zeigte sich auch schon wie künstlerisch begabt, aber auch perfektionistisch Joachim ist, wenn ihn etwas interessiert. Wenn er z.B. als Kind einen Ritter malte und der dritte Strich ihm dabei nicht gefiel, dann wurde das Bild sofort weggeschmissen und ein neuer Versuch gestartet. Joachim hatte zeitlebens bei bestimmten Dingen hohe Ansprüche an sich und genügte sich manchmal selbst nicht.
In der Jugend – erzählten die Eltern dann – die üblichen Eskapaden, keine große Sache. In der Schule gab es auch mal die bekannten Hochs und Tiefs, aber vor allem zeigte sich während der Schulzeit weiter die besondere künstlerische Begabung von Joachim.
Und so studierte er Mediendesign in München. Da hatte er seine Berufung gefunden; ging quasi nach dem Studium nahtlos in die Berufstätigkeit über und begann in München bei der Werbeagentur 19:13 seine Berufslaufbahn. Die Phase zwischen 20 und 30 waren seine Entwicklungsjahre – sagten Angela und Günther. Lange Jahre war damals auch seine Freundin Hannah als Partnerin an seiner Seite.
Die Fröstls waren und sind sehr eng verbunden. Sebastian sagte dazu schmunzelnd in unserem Vorabgespräch: „Wer sonst fährt denn noch mit seinen Eltern in den Urlaub.“ Das ist schon wirklich etwas Besonderes und allen Familienmitgliedern sehr wichtig. Da wurden Urlaubszeiten extra passend gelegt und alle von Germering, über Berlin, Hamburg und Australien versammelt.
Und die kleine Schwester Franziska erzählte, dass Joggi seine Familie und auch seine Geschwister liebte. Die kleine Schwester und die zwei großen Brüder... Gerade als Erwachsener entschuldigte sich Joachim immer mal bei Franzi für seine bockige Teenager-Zeit, die seine kleine Schwester von ihm abbekommen hat. Das war so herrlich. Sie sah das gar nicht so, aber er sagte das ab und an – gerade nach 1 bis 2 Gläschen Wein. Er hatte so ein großes Herz und eine sanfte Art. Im Erwachsenenalter war da auch beruflich die Gemeinsamkeit zwischen Franziska und Joachim dazugekommen. Franzi studierte – wie Joachim – auch Design. Da war er so gerne ihr Berater, fast Mentor, nahm sich Zeit für seine geliebte kleine Schwester und half im Bewerbungsprozess. Aber nicht nur beratend war er: mit ihm konnte man versacken, rumblödeln und depperte Insider-Witze reißen. All das ging mit dem großen Bruder Joachim.
Sebastian erzählte, dass sie trotz Entfernung so viel telefonierten. Wie schön, wenn der Bruder nicht nur der Bruder ist, sondern auch der beste Freund. Die beiden haben so viel geteilt und waren sich natürlich schon altersbedingt sehr nahe. Spielten und bauten und versanken so gerne in ihren Legowelten. Als dann die kleine Franziska geboren wurde, mussten Bauwerke und Spielzeuge irgendwann versteckt werden, damit das kleine Monster die Dinge nicht auseinandernimmt. Legowelten und das Versinken in Details, das wurde im Erwachsenenalter erst wieder von Sebastian initiiert. Da bauten beide wieder – einer in Berlin, der andere in Australien – und dann schickten sich die Brüder gegenseitig auch Videos mit Detailansichten vom Lego-Raumschiff. Versinken gemeinsam...
Mit ihrer Jugendband Ikarus Kult teilten die Brüder auch eine besondere Zeit gemeinsam. Jogga wurde quasi zum Bassspielen zwangsverpflichtet, damit Sebastian zu Schulzeiten seinen Traum von der Band verwirklichen konnte. Und Joachim sagte irgendwann zu Sebastian: „Es ist wie bei den Beatles. Ich bin der Bassist, der dann irgendwann rausfliegt, weil er nicht mehr mithalten kann“. Beim Bassspielen zeigte sich unter anderem Joachims Perfektionismus und auch hier blieb er wohl unter seinen ganz
eigenen Ansprüchen. Andere sahen das nicht so: die Band erhielt 2007 einen Newcomer-Preis.
Berliner Zeit
Und Günther beschrieb dann in der Rückschau die Berliner Zeit ab 2018 bis heute als sehr positiv für Joachim. Von außen wirkte er für seine Familie, gerade seit er in Berlin war und mit Franzi zusammen war, ein Stück weit gefestigt. Joachim und Franzi taten sich gut, er wirkte in sich ruhend. Er hatte so seine „inneren Säulen“, beschrieb es Sebastian.
Franzi und Joachim hatten in Berlin ihren Alltag, ihr Zusammenleben, ihre Genussmomente und Auszeiten. Sie ließen sich Freiheiten. Franzi sagte ab und an scherzhaft zu Joachim: Erste Priorität Fahrrad, zweite Prio Arbeit, dritte Prio Franzi. Joachim ist auch beruflich – gerade in Berlin bei Adjust – wirklich große Schritte gegangen und hatte sich intensiv der Firma verschrieben. Loyal und menschlich wie er war, machte er sich auch Gedanken über seine Rolle in der Leitung eines Teams; wollte Mensch und Manager sein. Wenn er Sinn hinter Sachen gesehen hat, dann setzte er dafür sehr viel Energie frei.
Franzi erzählte mir, wie sehr sich beide bei all der Intensität im Alltag und im Beruf eben auch auf diese Auszeit im Ausland gefreut hatten. Franzi hatte 3 Monate, Joachim schaffte es, 2 1⁄2 Monate für das Sabbatical frei zu bekommen. Was für eine tolle Zeit. Perfekt für Joachim, der so weltoffen, abenteuerlustig und neugierig war. Die Reise von Franziska und Joachim begann an Joachims Geburtstag im Januar mit Lizzy und Sebastian in Kuala Lumpur. Dieser Auftakt in der Vierer-Runde war geprägt von Lachen, einer schönen Zeit und guten Gesprächen. Und dann lag noch so viel Auszeit vor Franziska und Joachim – nur zu zweit. Diese schönen Momente, diese Erlebnisse, diese Zweisamkeit... daran will Franzi festhalten und nicht nur den schrecklichen Schicksalstag – den Unfalltag – sehen. Joachim hatte in den letzten Tagen auf dem Motorrad-Loop angefangen, Franzi abends vorzulesen. Sie ist dabei immer beseelt und entspannt eingeschlafen. Das sind die Momente... die Ruhe, das Innehalten. Daran hält sie fest.
Ich habe heute und hier als freie Rednerin die Möglichkeit, so einen Tag mit den Engsten und Liebsten gemeinsam zu gestalten. Nicht nur durch die Erzählungen im Vorfeld für meine Rede, sondern jetzt hier direkt vor Ort. Und das ist mir wichtig, dass auch das möglich ist. Dass nicht nur ich als freie Rednerin hier rede, sondern dass ich auch zurücktrete und der engste Kreis mitgestalten darf. Das ist wirklich ein kraftvolles Vorhaben, aber ich unterstütze hier und heute, wenn es nötig ist.
Daher wollen wir nun Franziska hören. Sie erzählte mir, dass diese besondere Auszeit zu tollen Gesprächen und Gedanken führte und an ihren Gedanken will Franzi uns nun heute und hier teilhaben lassen:
Rede Franzi
Seit 2 Wochen versuche ich mir den heutigen Tag vorzustellen. Ihn zu erfühlen. Erst so weit weg, ist er plötzlich hier und er macht mir Angst. Weil die Realität dadurch ein großes Stück greifbarer wurde.
In der Vorbereitung auf diesen Tag, so viel man sich eben vorbereiten kann, ist mir aufgefallen, dass der heutige Tag auf das Datum fällt, an dem wir von unserer gemeinsamen Reise wieder in Deutschland gelandet wären. Wir wollten uns übermorgen mit Katha, Camilla, Björn, Moritz, Henry und Wilma treffen. Und hatten bereits Ideen für richtig gutes Frühstück am Samstag besprochen. Wir wären aus Bangkok zurückgeflogen, nachdem wir es uns zu unseren Geburtstagen auf einer kleinen Insel guten gehen haben lassen. Wir wollten entspannen, aber auch das Jahr und unsere gemeinsamen Zukunftspläne besprechen. Es sollte das Jahr der Freundschaft, Familie & Kultur werden, das Jahr des “Ankommens”.
Ankommen. Wenn wir über “ankommen” gesprochen haben, dann hatte es viel mit Geborgenheit, Wärme, Zufriedenheit, Offenheit, einladend und “sich fallen lassen können” zu tun. Wir hatten bereits viel davon in unserer gemeinsamen Wohnung geschaffen. Wir wollten jetzt daran anknüpfen und uns einen neuen Ort kreieren, ein neues zu Hause in Berlin finden, und es dann langsam mit Leben durch gemeinsam Erlebtes oder mit Freunden und Familie und vielleicht auch mit einer eigenen Familie füllen.
Ankommen.
Am heutigen Tag möchte ich “Ankommen” noch ein wenig mehr aus meiner Sicht beschreiben (es wird nicht vollständig sein, sieht es mir nach).
Denn Ankommen bedeutet für mich noch mehr:
Das leise kratzende Geräusch der Kaffeemühle in der Küche, der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee, volle und leere Erdnussmus Gläser, eine zerknitterte Betthälfte neben mir, die selbst nach dem Bett machen, zerknittert bleibt. Der Geruch von Waldboden, Erde, Stein, Sand und Kiefern - nach Hause gebracht durch Wanderschuhe oder dein Fahrrad. Der Geruch von Schweiß nach einer sportlichen Anstrengung, der Geruch von frisch gewaschener Haut und Klamotten auf der Couch danach. Das Zwitschern von Meisen auf dem Balkon, nachdem sie wieder versorgt wurden, die eingetrocknete Haferflocke in der Müslischale.
Die kleine Berührung zwischendurch, die herzlichsten Umarmung während der Mittagspause oder zwischen zwei Meetings, kuscheln am Abend, kuscheln am Morgen. Der Kuss auf meiner Stirn nach unserer ersten Verabredung, der erste Kuss am Tag danach. Ankommen.
Telefongespräche mit Stefan, Arne, Sascha, Jojo oder Gregor, lautes Lachen während eines Spiele Abends aus dem Schlafzimmer, das frustrierte Stöhnen nach einer politischen Diskussion auf Signal. Den Stuck zerschlagen wollen, die SPD in Berlin überwinden und sich fürs Klima stark machen. Jule beim Wein trinken und Philosophieren unterstützen, Jani davon überzeugen, dass man gut acht geben wird. Abende mit deiner Familie auf der Couch, während man selbst mit den Freunden abhängt, Rumblödeln mit Franzi, Urlaube mit Basti, Aperol mit Lizzy, in der Küche arbeiten mit Angela, über Wandergebiete sprechen mit Günther. Burgen mit meiner Familie erklimmen, mit Brigitte schwimmen gehen, Bernd beim Kochen bewundern. Ankommen.
Jemand der zuhört, wenn man sich selbst nicht gehört fühlt, der einem Raum lässt und mit einem Lösungsmöglichkeiten erarbeitet; der einen tröstet, wenn der Frust zu groß und die Möglichkeiten zu klein erscheinen; jemand der nicht wertet, auch wenn er gerne judgy ist; jemand der ausgleicht, wenn man sich
unausgeglichen fühlt; jemand dem man alles anvertraut, auch das was man niemandem anvertrauen will; jemand mit dem man gemeinsam wachsen kann, der einen besser macht aber selbst nicht auf der Strecke bleibt.
Jocki, du bist mein Ankommen, mein zu Hause. Du warst es fast 6 Jahre. Und ich bin so dankbar für jeden einzelnen Tag, jede Minute, jede Sekunde davon. Danke für all die schönen Erinnerungen, die herausfordernden Situationen, die wir gemeinsam geschaffen und geschafft haben. Danke, dass du mich hast wachsen lassen und mir Halt gegeben hast. Aber vor allem bin ich dankbar, dass du mir gezeigt hast, was es bedeutet, von außen nach innen und innen nach außen geliebt zu werden. In meinem Ozean voller Trauer, Schmerz, Angst und Hilflosigkeit, sind das die Lichtblicke, die meinen Kopf über Wasser halten, während ich schwimme. Jocki, du lässt mich weiter schwimmen!
Meine Tante hat mir vor ein paar Tagen etwas mit auf den Weg gegeben, das ich gerne hier noch teilen möchte. Sie meinte, dass sie fest daran glaubt, dass die Energien von Menschen die Erde nicht verlassen, auch wenn sie nicht mehr leben. Dass sie weiterhin um uns herum sind, und ein Teil von unserem Leben immer bleiben werden. Sie leben in den Erinnerungen, den Entscheidungen oder Ratschlägen, die wir treffen, nach dem man innehält und sich vielleicht fragt: "Was hätte Jogga mir dazu geraten, welchen Gedanken hätte er jetzt mit mir geteilt?!”. Anfänglich war ich mir nicht sicher, wie ich mir das vorstellen kann, aber ich empfinde diesen Gedanken mehr und mehr als etwas Tröstliches und ich stelle mir vor, wie er gerade hier ist, und um uns wabt in seiner ganzen Fülle. Und dann höre ich das kurze, laute Auflachen ganz leise am Ende vom Raum und wie er sagt “So ein Schmarrn!”. Und ich weiß er ist hier. Und bleibt hier.
Und gerade wurden sie in Franziskas Rede schon genannt: die Freunde in Berlin; der Freundeskreis, der dort gewachsen ist. Einige sind heute da. Joachim war so gerne gesehen. Gerade auch bei den Kindern im Freundeskreis. Während die Erwachsenen in der Gesprächsrunde saßen, fand man Joachim ab und an im Spielzimmer mit den Kleinen. Da war einer, der gerne Lego spielt. Sie können es sich denken.
Und jetzt möchte ich noch einmal in diesem Moment den Gedanken der Wegbegleiter Raum geben. Einige der alten Freunde haben sich zusammengetan und haben ihre Zuneigung und ihre Freundschaft in ein Gedicht fließen lassen. Dieses Gedicht soll nicht nur für die stehen, die es verfasst haben oder es jetzt gleich vortragen. Es soll stellvertretend für alle Freunde stehen – die Schulfreunde, Studienfreunde, Kollegen, für alte, neue und liebgewonnene Freunde!
Das Gedicht soll für die Freundschaft stehen, die Joachim seinem Umfeld geschenkt hat.
Gedicht der Freunde
Jogga wird uns immer bleiben,
Ein Freund auf Lebenszeit,
Sein schallend Lachen wird uns stets begleiten,
Immer für ‘nen Spaß bereit.
In da Physikstund warst a Hoilbaff
aber trotzdem hast ois grafft.
Hat da Reuter dich am Pult gesehn,
so hat’s ihn gfröstelt & um uns war’s gschehn.
Ein Mensch von ganz besond'rem Schlag,
Der Freude und Vertrauen schenken mag,
In schweren Stunden wie ein Fels im Meer,
Für jeden da; zu jedem fair.
A Lockenpracht, a Italo Casanova aus den Wellen tretend,
ein attraktiver Lulatsch, stilvoll eh und je, politisch und kaum betend.
Trotzdem warst a Glaubensbruder für unser aller,
Ethisch, politisch, und als Motivator stets a Knaller.
Voller Sanftmut, freundlich im Wesen,
Angenehm und sehr belesen,
immer ruhig und stets gelassen
so entspannt, ich kann’s kaum fassen.
Idealistisch warst mal arg, mal ned,
Träumt hast scho auch a bisserl,
Scho gschmeidig und grad recht
Gern auch amoi a Wortgefecht.
Ein Vorbild war er uns gewiss,
Ein Philosoph, ein Künstler auch,
und sehr geschickt.
Ein Feingeist, der uns lehrte,
Wie man positiv die Welt erblickt.
DSA hos’d gmoastert, zwoa moi nachdacht,
gut gessen hast, stets in Bedacht der Armen und der Schwachen,
So hast als Trautzeug in da Nacht
übern Brauderer gewacht,
Gfeiert, gspuilt, und glacht hast gern,
A Bazi warst, aber da Zwist lag fern.
Von hier nach da, quer durch das Land,
strampelnd; im sportlich, heiter’n Gewand,
auf unsr’n Velos, im Regen, oder, noch viel mehr, wenn die Sonne lachte,
dieses Spüren von Freiheit ist das, was uns zusammenbrachte.
A Erinnerung, a ganz a klare, voller Elan und gar ned falsch,
a Karatesprung am Kleinfeld, elegant mit vollem Schmalz,
ins Gmach vom bösen Mobber,
so warst, a Held, der Jogga.
Dabei hast des beste gsehn in de Leut,
so dass es alle owoi gfreut!
So wollen wir an einem ganz besondren Ort,
Ein Zeichen setzen, das Joachim ehrt,
Wo man sich gerne wiederfindet,
Eine Eiche soll dort wachsen als Symbol,
das uns für immerfort vereint und bindet.
Schee am Hügel, draus am Land,
nebam Wuild, am Wegesrand,
gmacht hamma dort an rechten Schmarrn,
da wo ma früher immer warn,
unweit von dem scheena Wald,
wo sein Echo noch bis heute schallt.
So woll’n wir uns dort treffen und nicht eilen,
jenseits allen Trubels und der Alltagsmühlen,
In Joggas Namen lachen, grübeln und verweilen,
An einem Ort, wo wir uns heimisch fühlen.
Ey Jo, Merci für die Zeit,
und glabst ja ned, dass des net so bleibt!
Ey Jo, danke dir!
Selbstverständlich, zweifelsohne,
für ewig bleiben wir ein wir!
Liebe Eltern, liebe Geschwister, liebe Franziska, liebe Familie, Freunde und Wegbegleiter... besonders Sie haben und Ihr habt am heutigen Tag die schwerste Last zu tragen.
Ihr müsst dem Sohn, dem Bruder, dem Lebenspartner, dem Kumpel und Kollegen für immer Lebewohl sagen. Momentan werden die Erinnerungen, die Ihr geschildert habt und die Ihr in Euch tragt, auch wenn sie noch so schön sind, vermutlich erstmal nur weh tun; jeder Gedanke, jedes noch so schöne Erlebnis, es bereitet eigentlich nur Schmerzen. Und jede Ablenkung des Alltags endet immer wieder bei dem Verlust, beim Vermissen, beim warum.
Trauer nimmt uns den Blick auf das wirkliche Leben – aber die Trauer ist es auch, die wirklich helfen kann, das Herz zu befreien und irgendwann kann Trauer zu Trost werden und aus Schmerzen wächst Dankbarkeit. Dankbarkeit, so einen Menschen wie Joachim an der Seite gehabt zu haben, so wie wir es heute aus Ihren Reihen auch schon gehört haben.
Und nun wird Sebastian genau da mit seinen Gedanken und Worten anschließen über seinen Bruder Joachim und seinen besten Freund:
Rede Sebastian
Ich versuche das unmögliche, ich will euch in Minuten einen Einblick geben wie Joachim als Bruder und Mitglied unserer Familie war.
In unserer Familie hat er Balance gebracht. Er sorgte dafür dass es allen gut geht, das alle zu Wort kommen. Mit seiner ruhigen Art konnte er das aussprechen was wir oft nicht konnten. Er hat vermittelt und unser Denken erweitert. Harmonie stand für ihn im Mittelpunkt. Er war einfühlsam, selbstlos und immer für andere da. Hat neue Perspektiven eröffnet.
Er hat so gerne gelacht und uns so zum Lachen gebracht. Wir waren so gerne albern zusammen. Zusammen mit unserer Schwester Franziska hat er, haben wir alle, seit unserer Kindheit getobt und gelacht.
Joachim war ein aktiver Zuhörer. Diese Eigenschaft ist so selten in der Welt. Mit seinem sanften Bariton hat er versucht zu verstehen und zu helfen. Hat aktiv nachgefragt, Rat gegeben. Er war unglaublich geduldig und einfühlsam. Wenn ich vor großen oder kleinen Entscheidungen stand war er stets einer meiner wichtigsten Ansprechpartner.
Auch für Franziska und unsere Eltern. Franziska unterstützte er in den letzten Jahren sehr mit seiner Erfahrung als Produkt Designer. Meine Eltern mit gesunder Ernährung und Planung für’s Alter. Mich mit dem Aussuchen des Verlobungsrings für Lizzy.
Seine Bescheidenheit wird mich weiterhin inspirieren. Von seinen Erfolgen haben wir manchmal nur durch Zufall im Gespräch erfahren. Zum Beispiel seine Beförderung zum Teamleiter bei Adjust.
In Joachim vereinten sich so viele Talente. Zeichnen, Malen, Fotographie, Musik, digitale Gestaltung in Product und UI UX Design, Programmieren und so vieles mehr.
Unsere Familie schätzt seine Kunst und seine Gemälde, zum Beispiel das wunderschöne Bild, das er von meiner Mutter gemalt hat.
Joachim stand für das ein woran er geglaubt hat. Das zeigte sich in allen Facetten seines Lebens. Beruflich und privat.
Die Gesundheit unseres Planeten lag ihm sehr am Herzen. Er hat das Fliegen zurückgeschraubt. Seine CO2 Fußabdruck vermindert und fair-trade Kleidung gekauft. Das war für ihn keine Sache des Preises.
Ich weiß noch, als ich ihn und Franzi letzten Sommer in Berlin besuchte, hat er stolz sein neues, fair-trade Hemd getragen. Wir sind zum Frühstück gegangen und auf dem Heimweg hat ihn ein Vogel angeschissen. Direkt auf Brusthöhe. Er hat seine Ruhe nicht verloren, wir lachten darüber.
Unsere besondere Verbindung ist über die Jahre immer mehr gewachsen. Als Kinder machten wir alles zusammen - Samstag morgens, wenn das Haus noch still war sind wir ins Wohnzimmer gegangen und haben die Lego Kisten ausgeschüttet. Wochenlang haben wir unsere eigenen Welten erschaffen und gelebt. Später arbeiteten wir zusammen an Apps und versuchten der Welt zusammen zu verbessern. Tauschten uns aus, über unsere Leben, Politik, Reisen, Gefühle und vieles mehr.
Joachim zeigte seine Zuneigung. Er hat körperliche Nähe gegeben und genossen. Seine Umarmungen waren die Besten. Mit Anfang Zwanzig, als ich schon in München wohnte, schlief ich nach einer Familienfeier bei ihm im Zimmer in Germering. Ich wache auf und merke das er mich im Schlaf angekuschelt hat. Ich war sein kleiner Löffel.
Herzlich hat er jeden Umarmt und seine Zuneigung gezeigt. Seine Freundlichkeit hat selbst Menschen berührt, die ihn nur flüchtig kannten.
Ihr alle habt ihn in all seinen Facetten kennen und lieben gelernt.
Heute, bei dieser Feier seines Lebens, möchte ich euch einladen etwas von Joachim zu verinnerlichen. Etwas das euch inspiriert und berührt hat.
Tragt es in eurem Herzen und macht es lebendig. Macht ihn lebendig durch euren Umgang mit anderen Menschen und durch eure Taten.
Lasst uns zusammen seinen Einfluss als positive Kraft weiter in der Welt wirken.
Wenn ich in den Raum blicke dann sehe ich wie Joachim eure Herzen berührt hat. Berührt andere Herzen so wie er euch berührt hat.
Ich danke euch.
Liebe Familie, liebe Trauergäste, ist es doch unbestritten, dass Joachim niemals, mit dem was er tat, wie er war, aus unseren Herzen gehen wird, in der Erinnerung lebt er mit uns, teilt weiterhin seinen Weg mit uns.
Joachim war der Mensch, der immer an Eurer Seite war, wenn Ihr ihn brauchtet, der bereit war ganz viel für Euch zu geben, so loyal, so feinfühlig, so harmonisch.... Bewahrt Euch diese einzigartige Erinnerung! Und so wie Sebastian gerade sagte „Berührt andere Herzen so, wie er euch berührt hat.“
All diese wunderbaren Worte und Gedanken werden ihren Platz haben. Es wird einen Blog geben und die Rede heute und die Worte von Sebastian, von Franzi, von Joachims Freundeskreis und auch die Gedanken seiner Eltern oder die Gedanken, die mir auch noch per Email oder am Telefon mitgeteilt wurden, sollen dort ihren Platz haben. Machen Sie sich sichtbar mit Ihren Gedanken, damit alle gemeinsam teilhaben an Joachims Spuren, die er hinterlassen hat.
Sie dürfen gleich noch alle persönlich Abschied nehmen und für Joachim eine Kerze entzünden und noch Wildblumensamen mitnehmen, damit etwas Neues wachsen lassen. Das passt so perfekt zu Joachim und seinem Umweltbewusstsein.
Die Familie bittet Sie, erstmal von Beileidsbekundungen abzusehen. Die Familie Fröstl lädt Sie aber alle im Anschluss noch in die Osteria Da Massimo hier um die Ecke ein. Kommen Sie dorthin, um gemeinsam zu weinen, zu erinnern, zu schmunzeln und einfach, um sich gegenseitig Kraft zu geben.
Gleich sehen wir noch ein besonderes Video über Joachim. Ich möchte Joachims Lebensfeier mit Worten von Max Feigenwinter schließen:
Ich will meine Möglichkeiten entfalten,
meine Fähigkeiten einsetzen,
auf Mitmenschen zugehen,
das Gespräch pflegen,
mit Schwierigkeiten rechnen,
Lösungen suchen,
Grenzen annehmen,
Bedürftigen helfen,
Schwaches stärken Verantwortung übernehmen,
mich an Schönem freuen,
mir treu bleiben und dankbar sein.
Dies alles nicht,
damit ich einst in den Himmel komme,
sondern, weil es meine Aufgabe ist, dieses Leben zu leben,
Leben zu ermöglichen,
beizutragen für eine bessere Welt.
Wenn mir dies gelingt,
werde ich schliesslich sagen können:
Es war gut so,
ich habe gelebt,
und vielleicht habe ich Spuren hinterlassen,
die jemandem wichtig sind.